b-real Gedanken zu dem und dort Berichte aus Nepal, Spanien und zum Vatersein

29Aug/070

Caché (versteckt) ,
Michael Haneke, 2005

Inwieweit ist ein erwachsener Mensch verantwortlich für Taten, die er in seiner Kindheit begannen hat? Das ist vielleicht die Hauptfrage des Filmes „Cache“ von Michael Haneke.
Georges (Daniel Auteuil) lebt ein anscheinend rundum perfektes Leben. Doch plötzlich erhält er anonyme Videos und Kinderzeichnungen, die ihn dazu zwingen sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen.

Das ist der erste Film (von der Verfilmung „das Schloss“ von Kafka abgesehen) den ich von Haneke gesehen habe und er enthält viele Elemente, die mir sehr gut gefallen haben.

Ganz besonders hat mir die konstruktivistische Sichtweise der Wahrheit im Allgemeinen gefallen. Die „Wahrheit“ gibt es nicht. Sie ist immer eine Frage unserer Perspektive. Georges hat mit sechs Jahren egoistische Handlungen begannen, die nicht gravierend waren. Für ihn hatten sie positive Folgen (denn Hajid musste ins Heim und er war wieder der einzig Geliebte), für den jungen Hajid haben sich die Lebensumstände dadurch wesentlich verschlechtert. Georges hat sich nie mit dieser Kindertat auseinandergesetzt. Inwieweit ist er verantwortlich? Oder sind dies nur die Eltern, die Hajid weggeschickt haben?

Haneke versteht es sehr gut, dass Leben mit seinen Banalitäten (oder gerade durch diese) fragmentarisch auf die Leinwand zu bringen. Warum tun wir das was wir tun und wie sind wir dorthin gekommen?
Er lässt dem Betrachter viele Interpretationsmöglichkeiten und sehr viele Fragen offen. So ist bis zum Schluss nicht klar, wer diese Videos eigentlich geschickt hat (an der Schuldfrage würde diese Erkenntnis erstmal nichts ändern).

„Cache“ ist ein trauriger Film, der die Frage der Schuld und Verantwortung auf dem Acker unserer Seele frisch umgräbt. Gerade weil man sich nicht einfach berieseln lassen kann, mitdenken und sich automatisch auch mit sich selber befassen muss, hat mir dieser Film gut gefallen und erhält von mir das Prädikat „Sehenswert“.

caché (versteckt)

 

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24Aug/070

Der achte Monat

Der achte Monat

Bis jetzt hatte ich nicht den Drang gehabt irgendetwas über die Schwangerschaft meiner Frau zu berichten. Der Bauch wurde langsam runder, die Kleine bemüht sich stetig durch Schläge auf sich aufmerksam zu machen und die Mama liebt Donuts. Alles im Rahmen des Normalen.

Doch der achte Monat ist anders. Die werdende Mutter braucht Ruhe, Entspannung, Aufmerksamkeit und so wenig Störungen wie möglich. Sie möchte sicher sein, dass das Nest fertig gebaut ist. Ihre Bedürfnisse werden zur höchsten Priorität und dulden keinen Aufschub. Das ist hier keine Klage meinerseits und für mich völlig verständlich. Worüber ich besonders jetzt in der Endgeraden nachdenke, ist die Rolle des werdenden Vaters, des Partners. Die Frau braucht besonders jetzt Sicherheit. Sie möchte sich zurücklegen können und sicher sein, dass der Mann ordentliches Essen jagt, sie versorgt und umsorgt. Sie ist das Zentrum der Welt. Gerade bei Frauen die unabhängig sind und sein wollen, kann es in der Endphase der Schwangerschaft leicht zu Anspannungen kommen. Es fällt ihnen schwer sich 100% fallen zulassen, es bleibt ihnen jedoch nichts anderes übrig. Da die werdende Mutter jetzt unglaublich sensibel ist (auch wenn sie das vielleicht nicht gerne hört), muss der Mann noch sensibler und feinfühliger sein. Er muss also um die Ecke vordenken. Für mich ist das so eine Art emotionales Schach. Und natürlich muss er jede Situation immer souverän unter Kontrolle haben – besonders wenn es dann losgeht.

Über so ein Thema kann man eigentlich nur richtig mit Leuten reden, die schon Kinder haben oder auch schwanger sind. Das Thema der Schwangerschaft wirkt auf nichtschwangere einfach zu fremd. Das ist mein Eindruck und klingt logisch. Ich meine, welcher Normalbürger möchte sich schon mit durch Wehen hervorgerufene Schreie und den ganzen Rest beschäftigen, wenn es nicht Not tut. Ich werde mich damit jetzt noch ca. 3-4 Wochen auseinandersetzen, dann ist der Bauch weg und der Wurm da.

Der achte Monat

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24Aug/072

Toros embolados en Vilamarxant
Die brennenden Stiere in Vilamarxant

Die brennenden Stiere in Vilamarxant

Spanien eignet sich immer gut für einen netten Aufenthalt. So haben meine lieben Freunde Daniel, Mareile und Goran die Gunst der Stunde genutzt und sind nach Spanien gereist um zu urlauben. Die Einführung in das valencianische Partyleben hätte nicht besser klappen können. Beginnend mit einer kurzen Barrunde im Carmen, sind wir natürlich anschl. im obligatorischen Pinnball gelandet. Jeder der schon mal in Spanien war, weiß, dass die Zeit hier anders verläuft. Lange Schlafen, Siesta, spät Essen und natürlich spät Ausgehen. Um 4:00 Uhr ging es deswegen auch erst und mit Hilfe wichtiger Konektionen auch gratis, ins Latex. Für alle die gerne in Valencia Feiern, sehr zu empfehlen.

Aber davon wollte ich ja eigentlich gar nicht berichten, sondern über den letzten gemeinsamen Abend, der letzte Mittwoch. Diesen haben wir in meinem jetzigen Wohnort Vilamarxant verbracht. Abends sollte es eine kleine Tier Stier Show geben und wir nutzen diesen Event um den Urlaub aufregend abzurunden. Und aufregend war es. Vier Strassen wurden im Quadrat abgeriegelt, Fenster und Türen mit dicken Eisenstangen gesichert und große Käfige zum Schutze der Menschheit aufgestellt; denn irgendwohin muss sich die Dorfbevölkerung ja retten, wenn ein brennender Stier hinter ihnen her ist.

Also, kurze Zusammenfassung: Stier ist im LKW mit Seil am Kopf, Seil wird durch ein Loch in einem dicken Pfahl, gezogen und der Stier wird somit, mit der Kopfseite an den Pfahl gezerrt (verständlich?). Nun ist er erstmal paralysiert. Es werden ihm Stoffkugeln auf die Hörner gesetzt und angezündet. Nun wird er freigelassen und jeder bringt sich in Sicherheit. Es ist unglaublich beeindruckend wie schell und kraftvoll so ein Stier ist. Ein Mann hat es auch sehr gut am eigenen Leibe gespürt, denn er wurde vom Stier erwischt, der dann einige Male mit seinem gewaltigen Kopf und Hörnern auf ihn einhämmerte. Ich habe nichts von einer schweren Verletzung gehört, was für mich einem Wunder gleichen würde.

Ich frage mich, wie sich diese wirklich sehr seltsamen Traditionen herausgebildet haben. In diesem Fall tut man dem Stier nicht weh, sondern macht sich nur über ihn lustig. Dass es dem Tier dabei nicht gut geht, ist ihm sichtlich anzumerken. Wesentlich krasser finde ich Stierkämpfe, diese würde ich mir nicht ansehen oder noch kränkere Traditionen bei denen Kühe vom Kirchturm geworfen werden. Haben wir eigentlich nichts Vergleichbares in Deutschland, vielleicht eine Schweinejagd? Vielleicht haben die Bayern oder Schwaben ja mal was über ihre Traditionen zu berichten.

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10Aug/070

Good old Whisky

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Es war alles so perfekt geplant. Sechs Wochen vor der Geburt meiner kleinen Tochter war unser Aufenthaltsort für die nächsten sechs Monate besichtigt und für sehr gut befunden worden. Nette Wohnung mit Blick zum Meer, 50m zum Strand und zwei Doppel-Gästezimmer für all die lieben Besucher. Es wäre viel zu langeweilig, wenn es wirklich so einfach und perfekt gewesen wäre. Die zu beseitigenden Steine kamen erst jetzt. Als ich dem Besitzer der Wohnung (ein sehr naher Verwandter meiner Frau) mitgeteilt habe, wie schön es werden wird, wenn wir morgens und abends mit Hund und dickem Bauch, am Strand der Sonne entgegen spazieren und schlendern werden, sind wir beide aus allen Wolken gefallen. Er, weil er nicht mit einem Hund gerechnet hat und auch nicht mit ihm rechnen wollte und ich, weil er eben nicht unseren geliebten Whisky in seiner seiner Wohnung seine letzten Tage verbringen lassen wollte. Die Konsequenz daraus: neues Haus (nicht am Strand), neues Krankenhaus und neue Hebamme. Das alles fünf Wochen vor der Geburt. Ich wäre aber kein positiv denkender Mensch, wenn ich darin nicht auch Gutes gesehen hätte. Das Krankenhaus ist alternativer (habe ich gehört, der erste Termin ist erst nächste Woche) und meine Frau wird weniger als „Kranke“ behandelt werden (denn so war es in Alicante).Das Haus ist ruhiger gelegen und wir haben soger einen kleinen Pool. Aber erstmal heisst es renovieren, um sich wohl zu fühlen.

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2Aug/071

Sklaverei und Piraterie

Ich fand es ja beeindruckend, wie düster einige Zeitarbeitsfirmen ihre Werbung gestalten können. Die Abbildungen der Werkzeuge und Arbeitsmaterialien auf den BVAG-Bussen, die so ganz natürlich einen Totenkopf mit gekreuzten Knochen darstellen sollen, sind meiner Meinung nach so geschmacklos, dass sie mit ihrer offenen und makaberen Ehrlichkeit schon wieder bestechen könnten. Sie nehmen wenigstens kein Blatt vor den Mund: „Your job is our job!“ Ihr arbeitet und wir bekommen die Kohle. Ihr arbeitet, aber nur nach unseren Konditionen und mit unseren Verträgen. Aber muss man denn die Werbung so gestalten, dass sie nach einem Giftgasanschlag aussieht? Ich finde es schon ziemlich krass, wie es manche Werbungen (z.B. „Geiz ist Geil“ oder eben diese hier) aus den asozialen und kurzsichtigen Gedankengängen einiger Köpfe bis hin zur tatsächlichen Kontamination unserer konsumorientierten Ellenbogengesellschaft schaffen können. Wahrscheinlich weil wir es traurigerweise zulassen.

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