Der achte Monat

Bis jetzt hatte ich nicht den Drang gehabt irgendetwas über die Schwangerschaft meiner Frau zu berichten. Der Bauch wurde langsam runder, die Kleine bemüht sich stetig durch Schläge auf sich aufmerksam zu machen und die Mama liebt Donuts. Alles im Rahmen des Normalen.
Doch der achte Monat ist anders. Die werdende Mutter braucht Ruhe, Entspannung, Aufmerksamkeit und so wenig Störungen wie möglich. Sie möchte sicher sein, dass das Nest fertig gebaut ist. Ihre Bedürfnisse werden zur höchsten Priorität und dulden keinen Aufschub. Das ist hier keine Klage meinerseits und für mich völlig verständlich. Worüber ich besonders jetzt in der Endgeraden nachdenke, ist die Rolle des werdenden Vaters, des Partners. Die Frau braucht besonders jetzt Sicherheit. Sie möchte sich zurücklegen können und sicher sein, dass der Mann ordentliches Essen jagt, sie versorgt und umsorgt. Sie ist das Zentrum der Welt. Gerade bei Frauen die unabhängig sind und sein wollen, kann es in der Endphase der Schwangerschaft leicht zu Anspannungen kommen. Es fällt ihnen schwer sich 100% fallen zulassen, es bleibt ihnen jedoch nichts anderes übrig. Da die werdende Mutter jetzt unglaublich sensibel ist (auch wenn sie das vielleicht nicht gerne hört), muss der Mann noch sensibler und feinfühliger sein. Er muss also um die Ecke vordenken. Für mich ist das so eine Art emotionales Schach. Und natürlich muss er jede Situation immer souverän unter Kontrolle haben – besonders wenn es dann losgeht.
Über so ein Thema kann man eigentlich nur richtig mit Leuten reden, die schon Kinder haben oder auch schwanger sind. Das Thema der Schwangerschaft wirkt auf nichtschwangere einfach zu fremd. Das ist mein Eindruck und klingt logisch. Ich meine, welcher Normalbürger möchte sich schon mit durch Wehen hervorgerufene Schreie und den ganzen Rest beschäftigen, wenn es nicht Not tut. Ich werde mich damit jetzt noch ca. 3-4 Wochen auseinandersetzen, dann ist der Bauch weg und der Wurm da.
