b-real Gedanken zu dem und dort Berichte aus Nepal, Spanien und zum Vatersein

28Sep/070

Die Geburt

Gestern früh ist nach zehn Tagen Verspätung endlich die kleine Maria auf die Welt gekommen. Es war etwas kompliziert und so musste sie am Ende mit einem Kaiserschnitt rausgeholt werden. Bilder und mehr Text gibt es wenn wir wieder aus dem Krankenhaus ausgezogen sind (nächste Woche).

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25Sep/071

Das Gefühl der Ewigkeit

Ich befinde mich zurzeit in einem Ausnahmezustand. Vor über einer Woche war der berechnete Geburtstermin meiner Tochter. Nicht, dass ich mich aufrege oder sie drängen möchte etwas schneller zu machen, nein, sie soll sich ruhig Zeit lassen.

Das Warten auf die Geburt ist für mich eine sehr interessante Wartezeit. Es ist mit dem Gefühl vergleichbar, welches man normalerweise im Urlaub bekommt: Das Gefühl der Ewigkeit. Man hält sich zwei Wochen an einem fremden Platz auf und hat schon nach kurzer Zeit das Gefühl, ewig da zu sein und auch ewig zu bleiben.

Die parallelen dieser beiden Situationen sind vermutlich, dass es Ausnahmezustände sind. Man wird aus dem normalen Alltag rausgerissen (oder reißt sich raus) und fühlt deshalb die Zeit auf andere Weise. Das Gefühl der Ewigkeit kommt daher, dass man diese konkrete Zeitspanne bewusst wahrnimmt. Im normalen Alltag recht schwierig zu erreichen, da dort selten ein Anfangs- und Endpunkt gesetzt werden kann.
Seit drei Wochen verabschiede ich mich nun schon von Freunden mit der sicheren Gewissheit, sie als frisch gebackener Vater wieder zu sehen. Aber dem ist nicht so. Diese „Sonderzeit“ zieht sich tatsächlich so lange hin, dass in diesen drei Wochen auch problemlos ein Jahr hätte vergehen können.
Heute Nacht gab es dann endlich einige Veränderungen. Die Kontraktionen haben begonnen und wir waren schon kurz davor, ins Krankenhaus zu fahren. Jetzt haben sie sich auf einen Rhythmus von 20min. eingependelt. Wenn sie alle 10min. stattfinden, können wir uns langsam auf die einstündige Fahrt ins Krankenhaus begeben. Ich vermute, dass wird heute Nacht oder morgen früh sein.

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16Sep/070

Neun Monate

 sven und nuria

Die offizielle Präparierungszeit meiner kleinen Tochter läuft morgen aus. Deshalb nutze ich einen – in der Zukunft wohl rarer werdenden – ruhigen Moment, um den Prozess der Schwangerschaft Revuepassieren zu lassen.

Während der Schwangerschaft gab es einige markante Punkte. Der erste wichtige Moment war die Initialzündung: Zwei rosa Streifen. Nachdem logisch verstanden wurde, dass es sich hierbei um eine tatsächliche Schwangerschaft handelt, begann nun der Prozess des emotionalen Begreifens. Da hat es sich die Natur schon clever ausgedacht, dass so eine Schwangerschaft neun Monate dauert, denn fast so lange braucht man auch, um zu begreifen was da eigentlich vor sich geht. Aber auch der langsamste emotionale Grobmotoriker wird spätestens im achten Monat von der angehenden Mama in die Rolle des zukünftigen Papas gedrängt und spätestens dann hat man es wirklich verstanden, man bekommt wirklich ein Kind.

Da die Zeit nie stoppt, beginnt man in den letzten vier Wochen (normalerweise vielleicht etwas früher) mit dem ganzen organisatorischen Kram: Kinderwagen, Kinderkleidung, Kinderwasweißichnichtnoch.

Die letzen Wochen hatte ich mir einige Sorgen gemacht. Wie weiß ich wann es losgeht? Wie unterscheidet sich ein Vorwehengeschrei von einem normalen Wehenschmerz? Und so weiter. Da wurde ich schon ein wenig nervös und wusste gar nicht genau ob ich, wenn es denn dann losgeht, nicht der Erste sein werde der aus den Latschen kippt.

Heute haben regelmäßige aber noch nicht heftige Wehen angefangen und ich bin ruhiger denn je. Ich weiß nicht ob dies nicht auch eine geniale Spitzwindigkeit der Natur ist, dass die Frau vor der Geburt unter Drogen steht (denn aufgrund der Hormone tut sie das) und dass der Mann in diesem Moment alles unter entspannter Kontrolle hat. Aber wie soll mein Körper spüren, dass es jetzt los geht? Ist es möglich, dass ich ihren Hormonspiegel wittern kann?
Naja, bei der Geburt werde ich sicher wieder nervöser werden. Das kann noch max. 2 Wochen dauern, die Entscheidung liegt ganz beim Kind.

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11Sep/070

Maximale Peinlichkeit: „Der heulende Busch“

Nein, ganz im Gegenteil, ich habe nichts gegen heulende Männer. Ich bin dafür, dass auch wir Männer endlich mal unsere Gefühle zeigen dürfen. Ich persönlich bin zwar nicht so die Heulsuse, aber ich bin froh zu wissen, dass ich meine Gefühle, nach der harten und gesellschaftlich erwarteten Männlichkeit meiner Väter und Großväter, endlich mal zeigen darf. Wenn ich es denn will.

Als ich am 09.09. in der Zeitung „El Pais“ gelesen habe, dass sich mein geliebter Präsident George W. Bush dazu bekennt eine Memme zu sein („Ich habe die Schulter Gottes um zu weinen. Und ich weine viel. Ich weine viel auf der Arbeit“.) und, dass es eines seiner größten Ziele ist viel Geld zu machen (Kein Wunder, wenn er bekennender Christ ist und auf den Dollarscheinen steht „In God we trust“), habe ich mich nicht sonderlich über seine Aussagen gewundert. Wir alle wissen ja, dass er in jeglicher Hinsicht inkompetent, unsympathisch und einfach nur dumm ist. Es würde mir höchstwahrscheinlich viel Genugtuung verschaffen, ihn abends in einer Kneipe zu treffen und ihm ordentlich die Fresse zu polieren.

Es ist traurig. Unsere heutige Gesellschaft gleicht einer makaberen Komödie. Wir sind soweit gelangt, dass wir uns weltweit für Demokratie einsetzen, jedoch sind wir nicht gewillt oder einfach nur unfähig, diese sozial und in Solidarität zu nutzen. Die Zukunft wird alles sein, jedoch ganz gewiss nicht langweilig.

Ach ja, Frohes Neues Jahr 6 n.B.L.

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11Sep/070

71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls (1994)
Michael Haneke

Hanekes Trilogie
Nach „Der Siebte Kontinent (1989)“ und „Bennys Video (1992)“ ist dies der dritte Film seiner Trilogie. Ich war erleichtert, dass Haneke diesmal nicht wieder die ganz harte Hammermethode angewandt hat (denn die anderen beiden sind harter Tobak). Nachdem er in den vorherigen Filmen eine familiäre Sicht zeigt, richtet sich der Fokus diesmal mehr aufs Gesellschaftliche. Er zeigt auch hier, dass weniger einfach mehr sein kann. Die Realität wird so dargestellt, wie sie sich uns auch außerhalb der Leinwand präsentiert, in Fragmenten. Allerdings kann andersherum, mehr auch oft weniger sein. Minutenlange Kommunikation ohne wirkliche Aussage.
In diesem Film gelingt ihm eine wunderbare Verflechtung der Nachrichtenwelt (und somit wirklich geschehenden Ereignissen) und seinen dazugedachten Fragmenten. Nach Hanekes Art muss auch in diesem Film mal wieder selber gedacht werden.
Zu entscheiden, warum eine Person handelt wie sie handelt, bleibt dem Betrachter des Filmes mal wieder selbst überlassen. Ebenso, wie wir dies auch in der Realität tun.

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