Fotoblog
Ich friste mein Dasein weit weg von allen aktuellen Geschehnissen. Nepal wird nicht länger Monarchie sein, der König wird hinfort getrieben und noch immer gehen Bomben hoch. Mein Wissen beschränkt sich zur Zeit auf die deutsche Internetpresse.
Fristen schreibe ich, denn mein Aufenthalt verkürzt sich hier in Nepal um ein Jahr. Im August geht es zurück nach Spanien. Dazu später mehr.
Meine Abschlussarbeit ist abgegeben und endlich habe ich Zeit, genau passend zur Destruktion meiner neuen Kamera, einen Fotoblog einzurichten.
Steinigungen und getötete Kühe
Beim letzten Eintrag ging es um fremde Kulturen und alles was anders ist. Vor einigen Nächten haben wir uns mit unserer Nachbarin den Film „O Brother, Where art Thou?“ von den Coen Brothers angesehen. Ebenso wie der Big Lebowski, ein Klassiker und wundervoller Streifen. Sieht man sich jedoch mit Leuten einen Film an, die es in der Regel nur gewohnt sind Bollywoodmüll zu sehen ( ich finde diese Jammertanzfilme einfach nur schrecklich) und haben die Betrachter zudem einen Hindubackground, dann kann ein genialer Flim (wie die Nepalis sagen) schnell mal runter gemacht und stark diskreditiert werden. Im Falle von „O Brother, Where art Thou?“, gaben aus euphorischem Spass getötete und überfahrene Kühe den Anlass zu herber Kritik. Ja schon gut, für Hindus sieht die Sache mit dem Spaß da vielleicht etwas anders aus. Nicht ohne Grund gibt es in Nepal kein McDonalds, und das soll was heißen.
Naja, der Glauben ist halt nichts zum Lachen. Wie so oft kann ich auch diesmal mit einem praktischen Beispiel aus dem Nähkästchen plaudern. Und es geht auch um einen ziemlich guten Film. Das Leben des Brian. Na, wisst ihr schon welche Szene? Natürlich, die Steinigungsszene.
Nichts ahnend habe ich an einem Dezembermorgen, so vor ca. 16 Jahren, in der Schule gesessen. Wie es verständlich ist, hatten wir Schüler und sicher auch der Lehrer kein Bock auf vorweihnachtlichen Unterricht. Üblicherweise wird in diesen Momenten der Schulunlust irgendwann ein Film gesehen. In diesem Falle war es eben dieser, das Leben des Brian. Hätte ich gewusst was in dem Film vorkommt, wäre ich frühzeitig geflüchtet. Anschließend hatte ich mich nicht nur schlecht Gefühlt, sondern war nach der Jehova Jehova Szene auch Zielscheibe allgemeiner Belustigung. Tja, Flim ist Flim und Glaube ist Glaube. Aufgrund meiner diesbezüglich wandlungsfähigen Prinzipientreue lache ich heute gerne über diese Szene und erkenne mich zugleich in meiner Nachbarin wider.
Ein babytragender Skater in Nepal
Ich befinde mich hier in Nepal in einer anderen Kultur. In meiner Kindheit sind mir Bräuche und Verhaltensweisen anderer Kulturen besonders aufgefallen, da sie einfach anders waren. Anders als ich. Bilder von anatolischen Weiden, pespickt mit kleinen Hirtenhütten passten für mich perfekt an die Wand des heimischen Dönerladens. Die ganze Innenausstattung erweckte in mir Fanatsien von fremden Tänzen, bei denen sich immer viel gedreht wurde und von unverständlichen, zwielichtigen religiösen Riten.
Jetzt bin ich der der anders aussieht, ich bin der der auffällt. Nicht nur ein wenig, so wie zu der Zeit als ich Wollmützen im Sommer, viel zu große Hosen und natürlich immer kaputte Schuhe trug, sondern in allem. Im Reden, im Verhalten, in meinem ganzen Sein.
Vor einigen Tagen bin ich in die Stadt gefahren, mein Rad war gerade besetzt und so fuhr ich mit meinem Skateboard. Die Straße ist perfekt dafür geeignet. Bis in die Stadt sind es knapp 3km, gerade, recht abschüssige Strasse. Es hat mir wirklich Spaß gemacht mal wieder mit ordentlich Speed zu heizen. Dieses Bild war für jeden so fremd, wirklich alle sind stehen geblieben. An einigen Stellen kann man hunderte Meter weit sehen, da mein Brett laut ist, sind auch die stehen geblieben, welche eigentlich noch recht weit entfernt waren. War schon seltsam. Wo ich denn schon so schön unterwegs war, bin ich auch nicht abgestiegen als ich die etwas mehr belebte Innenstadtstraße erreichte. Ein bunter Hund. Skateboardfahren, Maria, als einziger Mann der Stadt, in einem Tragetuch durch die Gegend tragen, in der Hängematte liegen und seltsames Essen essen. Aber immerhin esse ich öffentlich keine Kühe, das wäre doch zu viel.
Das auf dem Bild ist die Tochter meines Nachbarns.

noch mehr Krabbler
Liegt es daran, dass ich nur auf Spinnen achte oder gibt es hier einfach so viele? Nun eine der kleinsten Spinnen. Klein aber flink, denn sie hat sich ohne Netz eine Fliege geschnappt (vielleicht war die aber auch schon tot). Zudem hat meine sehr schreckhafte Frau diese handgroße Spinne gestern Abend in der Küche gefunden, bis jetzt der Rekordhalter.


Grün, grüner, am grünsten
Ich persönlich huldige der Natur nicht mehr so per direktem Draht, heute lass ich mal anbeten.
Ich bin da was am Planen dran…
und steck da mitten in was drin. Meld mich wenn ich wieder frei bin.

China Plastic Disco
Letztes Jahr haben wir unsere Hochzeit im Maithilistyle gefeiert, und so soll auch Maria in der traditionellen Kultur nicht zu kurz kommen, es gab für sie eine original nepalesische Rice Feeding Ceremony.
Viele Gäste wurden geladen, viel Dhal Bhat wurde gegessen und der harte Kern tanzte sogar seltsame Tänze. Eingeleitet wurde das Ganze natürlich mit einer klassischen Puja, bei der jeder Besucher etwas Reis, mehr oder weniger symbolisch, in Maria hineinschaufelte. Zu meiner Überraschung brachten die Gäste Geschenke oder Geld mit. Das beste Geschenk wurde von mir auf eine Podestposition bei YouTube gehoben. Und wer hat dieses Produkt höchster Kreativität hergestellt? Wen wunderts, natürlich die Chinesen. Konsumgüter die nicht made in China sind ähneln mittlerweile den früheren 5 Markscheinen, man freute sich wenn man welche zwischen die Finger bekam bzw. heute bekommt.