b-real Gedanken zu dem und dort Berichte aus Nepal, Spanien und zum Vatersein

30Jun/080

es gibt immer was zu feiern

So, das war´s wohl. Spanien hat wohlverdient gewonnen. Endlich ist die EM vorbei, denn so brauche ich mich nicht mehr über die Spiele ärgern, die ich nicht sehen konnte. Anpfiff war hier um 0:30. Mein Nachbar hatte einen separaten Partyraum mit TV aufgetrieben.

Es war gleichzeitig sein 30ster Geburtstag -

Happy Birthday Rabin!!!

- also gabs doch was zu feiern.

Auf die Niederlage und weitere wunderbare 30 Jahre (an dieser Stelle auch an meine alte Kindheitsliebe Corinna, denn auch sie ist heute 30 geworden).

Prost

veröffentlicht unter: aus Nepal keine Kommentare
29Jun/080

das Leben kann so ungerecht sein

Kind (ganz nervös vor Neugier): „Du Papa, wie war das eigentlich damals bei der WM 2006, ganz Deutschland im Fussballfieber, das ganze Land Fahnen schwingend getaucht in ein lang vergessenes Nationalbewusstsein, unglaublich oder ???“

Ich (etwas verlegen): „ Ehh, WM? Naja, wie soll ich sagen, da war ich in einem kleinen Bergdorf in Spanien, hab ich gar nicht so mitbekommen.“

Kind (etwas enttäuscht): „ Das gibt´s doch nicht Papa, endlich mal was los und du bist nicht dabei.“ (wieder voller Aufregung) „ Aber 2008 bei der EM. Booaaahhh ey, das war doch bestimmt super. Döneressend und Wolters trinkend den Türken und den Deutschen zujubeln, was für ein Ereignis. Und dann erst das Endspiel, Spanien-Deutschland. Das war für Mama und dich doch besonders spannend. Wie wars ?“

Ich (noch verlegener): „ Ehh, wie soll ich sagen, das hab ich alles leider auch nicht so mitbekommen...“

Kind (energisch): „Ja ja, ich weiß die EM war in der Schweiz und in Österreich, aber das Feeling vorm TV in der Bar ?“

Ich (ziemlich ruhig): „Da war ich leider in Nepal, wir hatten da kein TV und ...“

Kind (schreiend): „Waaaaas ??? Oh man, solche Ereignisse und du lungerst in irgendwelchen Löchern.“

Ich (ganz stolz): „Aber ich war dabei als in Nepal die Monarchie abgeschafft wurde, nachdem...ehh Kind, warte, wo willst du denn hin, das ist doch interessant, warte!

Mist, vielleicht hat sie als Baby doch zu nah die Fußballspiele vor der Flimmerkiste gesehen.“

Maria vor einem der letzten Spiele die wir gesehen haben. Türkei-Kroatien.

mariatv.jpg

veröffentlicht unter: aus Nepal, vom Vater keine Kommentare
28Jun/080

Durch den Monsun…

Würde man in Deutschland eine Umfrage starten, was denn wohl am meisten in der Heimat störe, dann käme das Wetter mit Sicherheit auf einen der ersten Plätze. Verständlich ist es ja schon, ständig Regen, grau und kalt.

Nichtsdestotrotz beeinflusst das Deutschlandwetter den Alltag so gering wie nur an wenigen Plätzen auf dieser Welt.

Ich habe in Paraguay, Spanien oder Nepal mehr gefroren als in Deutschland. Wir sind einfach perfekt aufs Wetter eingestellt. Doppelverglaste Fenster, Zentralheizung sind Standard und sogar auf dem Weg von A nach B muss nicht gefroren werden; die Busse sind kuschelig warm.

Im Sommer sind die Temperaturen sehr angenehm, nicht zu heiß. Wohl auch einer der Gründe warum sich die flächendeckende Siesta bei uns nicht wirklich durchgesetzt hat.

Wir sind einfach wetterunabhängig und lassen unsere täglichen Aktivitäten nur geringfügig vom Klima beeinflussen. Unser klimatographischer Durchschnitt trug sicherlich auch dazu bei, warum die deutsche Produktionsmaschinerie weltweit so hoch angesehen ist.

Auf das Thema bin ich gekommen, da ich zur Zeit mitten im Monsun stecke. Sport fällt aus, es regnet, Straßen werden von Schlamm und Felsen unpassierbar gemacht, es regnet. Es regnet. Hier in Nepal stolpert man von einem Extrem ins andere. Im Süden nie erlebte Maximaltemperaturen. In der Regenzeit Unmengen an Wasser. Vom Norden will ich jetzt gar nicht erst sprechen. Soll aber ziemlich kalt da oben sein.

Es geht also nur das, was das Wetter zulässt. Das gilt natürlich auch für die Landwirtschaft. Es gibt nur das, was die Saison bietet. Hmm Erdbeeren, Kirschen, der nächste europäische Frühling kommt bestimmt.

Ein Nachtbild vom Regen

monsum.jpg

25Jun/082

zurück aus Nepalgunj

Bin gerade zurück aus Nepalgunj. Fünf Tage dort reichen völlig hin. Zu viel Hitze und zu nah an der indischen Grenze ist nicht mein Ding. Mit Baby die ganze Nacht unterm drehenden Ventilator schlafen (oder liegen, das mit dem Schlafen ist wegen der verdammten Mücken immer ein Problem), ist für die Gesundheit auch nicht gerade förderlich. Ich höre mich zur Zeit an wie Leonard Cohen im Stimmbruch. Immerhin war das Essen im Hotel Travelers Village ziemlich gut und somit ein Trostpflaster. Die Besitzerin ist eine in die Jahre gekommene Amerikanerin, die schon seit geraumer Zeit dort lebt. Selber hat sie leider kein Interesse an einem Pool (was für ein Traum) oder Internet für den Kunden. Das würde das Hotel unglaublich aufwerten. Naja, wer freiwillig in Nepalgunj lebt, der muß schon ne kleine Macke haben. Seltsame Dinge passieren dort.

Hier ein Bild aus der Innenstadt.

nepalgunj1.jpg

18Jun/080

das erste Babyfieber

Endlich wieder zurück in Surkhet. Eine Woche weg und alles ist anders. Der Monsum ist gekommen und sorgt für ordentlich Feuchtigkeit und Veränderung. Alles grünt wie verrückt. Dies ist auch die Zeit für Krankheiten. Unsere kleine Maria hat es zum ersten Mal in ihrem Leben erwischt. In Kathmandu oder Europa hätte ich mir keine Sorgen gemacht, aber hier, weit weg von allem, wurde mir doch etwas mulmig. Jetzt scheint alles wieder in Ordnung zu sein und sie ist um Antibiotika herum gekommen.

Sie zeigt wieder fröhlich die Richtung an.

maria18.jpg

veröffentlicht unter: aus Nepal, vom Vater keine Kommentare
11Jun/080

Gestank und Dreck in Kathmandu

Es ist wieder mal soweit. Ich habe mein schönes, idyllisches Surkhet verlassen und setze mich dem Chaos, der Luftverschmutzung und dem Lärm in Kathmandu aus. Ja sicher, es hat seine schöne Seiten. Endlich wieder nach Lust und Laune essen und die EM bei Bieren, Jägermeistern oder anderem Ungesundem genießen. Zu ungesund war für mich ein Steak, welches ich am Freitag Mittag verputzt hatte. Nachts darauf bekam ich eine sehr unangenehme Lebensmittelvergiftung. Meine Lehre: Nie wieder Steak in Nepal.

Mal von dem Steak abgesehen, könnte ich es mir trotzdem sehr schwer vorstellen, eine längere Zeit in Kathmandu zu verweilen. Die Hauptstadt wird durchkreuzt von dem Bagmatifluss. Ansich sollte das eine schöne Sache sein. Aber diese zäh dahinkriechende Brühe belästigt nicht nur mit ihrem unangenehmen und brennendem Geruch, welcher dem „Moor des ewigen Gestankes“ problemlos seinen Rang als Stinkherd Nr.1 abtreten könnte, sondern stellt auch eine durchaus optische Belastung dar. Es schmerzt die Vorstellung, man könne in diesem Fluss baden, denn dies war vor langer Zeit möglich und sorgte an heißen Sommertagen für sehnlichst erwünschte Abkühlung. Dieser Gedanke ist jetzt jedoch jedem Menschen so fern und ruft nur ein Gefühl des Ekels hervor, ähnlich der Vorstellung man trinke aus einem vollgeschissenen Bahnhofsklo oder schlürft ne Tasse Kotze. Von meiner Behausung nur ca. 500m entfernt, treibt der ungünstig stehende Wind den gülligen Gestank herüber und es löst Unbehagen aus an all die Notbehausungen zu denken, die innerhalb der letzten Zeit entlang des Flusses wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Trotz dieser so offensichtlichen Überschmutzung wird der hilflose und vollkommen überforderte Fluss jeden Tag des weiteren dazu genutzt um sich seines Dreckes zu entledigen. Diese eine große Arterie ist verkalkt und totkrank und auch leider nur einer der Geschwüre die Kathmandu zu bieten hat.

Auf dem Bild ein kleiner Zuläufer des Bagmati Flusses. Links türmen sich die Müllberge, gestützt, damit sie keine vollkommene Verstopfung verursachen.

mull1.jpg

3Jun/080

Wir Deutschen sind doch alles Weicheier

Das ist mir am Wochenende aufgefallen. Eigentlich habe ich gedacht ich bin ein ziemlich harter Kerl. Mein Leben lang skaten – samt damit einhergehenden Verletzungen, zudem surfen, snowboarden und dann noch diverse Kampfsportarten. Hier in Nepal mache ich Karate. Training ist zwei Stunden am Tag, außer Samstags. Als ich im März begonnen habe stand ich jeden Morgen um 6:30 in der Früh auf, um mit dem Training zu beginnen. Nicht schlecht, dachte ich so von mir. Die Kinder in meiner Gruppe, es gibt eigentlich nur Kinder, müssen jetzt wegen der Hitze früher zur Schule, also haben wir die sportliche Aktivität auf 17:00 verlegt. Zurzeit ist es heiß hier. Um 17 oder 18 Uhr oder zu irgendeiner Zeit (z.B. 4 Uhr früh) ist es immer heißer als zu jeglicher Stunde in Deutschland. Letzten Sonntag gab es „longrunning“. Ist eigentlich garnicht so lang gewesen, vielleicht 5km. Wirklich jeder dieser kleinen nepali Jungen und Mädchen würde in Deutschland bei den Bundesjugendspielen eine Ehrenurkunde bekommen. Es sind kleine Knaben schneller gewesen als ich und die haben nicht einmal geschwitzt. Und der Lauf war hart. Bergauf, bergab, ich war wirklich von ihnen beeindruckt und hätte selber keinen Meter weiterlaufen können. Anschließend gabs normales Training, so mit Liegestützen und so. Da das Training draußen auf staubigen Boden stattfindet, klopft man sich, nachdem man auf dem Boden gelegen hat, den Staub ab. Stellt euch mal das Bild vor: Ich, zwischen 35 Kinder, mit dem einzigen Anzug der sich nicht abstauben ließ, da sich der Dreck direkt mit meinen Unmengen an Schweiß verbunden hat, als einziger. Ganz klar, die Nepalis haben einen klimatologischen Heimforteil. Aber, dass es kleine Kinder gibt denen ein Jogginglauf weniger zu schaffen macht als mir - tja, wir sind eben alle verweichlicht. Da wundert es nicht, dass Sherpas aus Nepal kommen. Die sollen ja eine bessere Grundkondition als wir im Leben je erreichen können.

Feldarbeit, sechstage Woche und dann freiwillig noch jeden Tag Sport. Und was gibt es in der sonstigen Freizeit? Zur Freude des Lebens in den Tempel. Ich begreife diese Nepalis nicht. Warum keine Bars, warum so seltsame Partys, warum so anderer Spaß? Naja, man muss wohl so asketisch leben, um hart zu sein. Da pfeif ich doch drauf, Prost.