Luch und Betruch
Nicht weit entfernt von hier haben die Olympischen Spiele begonnen, ohne, dass ich irgendeine Kenntnis davon nahm oder hätte nehmen können. Zu beschäftigt war ich, die Vorbereitungen der Rückreise liefen auf Hochtouren, zudem wurde die Ankunft europäischer Freunde sehnlichst erwartet. Diese haben sich die Last zugemutet, von Spanien nach Neu Delhi zu reisen, um anschließend über den Landweg nach Nepalgunj zu gelangen und uns zu treffen. Hartes Vorhaben. Nachdem sie ausgelaucht und müde Nepal erreicht haben, ging es noch einmal in den Royal Bardia Nationalpark, diesmal in der Hochzeit des Monsun. Wie beim letzten Mal sehr empfehlenswert: Auf Elefanten reitend reißende Flüssen durchqueren ( keine Übertreibung) und nachts der intensiven Dschungelmelodie lauschen. Ein Gegenstück zu Neu Delhi´s nie stillstehender Nervosität, der Unruhe und dem Dreck.
Anschließend gab es in Surkhet noch eine rührende Abschiedsfeier, bevor wir mit einem gemieteten Microbus in langen und kurvenreichen Stunden endlich Kathmandu erreichten.
Das war letzte Nacht. Voller Vorfreude auf 11 Tage puren Urlaub und der Lust, Nepal wohl das letzte Mal von seiner schönsten Seite sehen zu können. Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Anschliessend erwarten mich 2 Wochen thailändischer Strand und hoffentlich beeindruckende Über- und Unterwassererfahrungen, die ich mir durch Tauchen und Kitesurfen zu erlangen hoffe.
In all dieser Zeit werde ich sicher nicht viel von den Olympischen Spielen miterleben. Bis vielleicht auf einige seltsame Nachrichten, die mich nicht wirklich wundern, sondern mein Bild zu den Olympischen Spielen oder besser gesagt zu China nur verstärken. So ist es heute Morgen geschehen.
In einem Artikel der Kantipur Post hieß es, dass ein Mädchen gesucht wurde, welches mit einem patriotischem Lied die Olympischen Spiele eröffnen sollte. Sie sollte wunderbar aussehen und natürlich singen wie ein Engel.
Manchmal ist diese Kombination schwierig und in der Popwelt entstehen dann blendende Sternschnuppen die natürlich nicht für die Ewigkeit gemacht sein können, wer kennt nicht Milli Vanilli. Wie dem auch sei, die Macher der Massenmanipulation in China haben leider keine singende Schönheit gefunden, also wird kombiniert und verarscht, durch Playback. Das gut singende Mädchen sah scheiße aus und wurde durch eine Playbackmaus ersetzt. Und da das Feuerwerk auch nicht so der Hit war, hilft man auch dort mit dem Computer nach. Alles Luch und Betruch. Wenn schon bei solch unwichtigen Dingen gelogen und manipuliert wird, um den perfekten Schein zu wahren, wie sieht es denn mit den Angelegenheiten aus die von wichtiger Tragweite und wirklicher Bedeutung sind? Wir ahnen alle, dass es tausende bedeutender Lügen gibt, die wahrscheinlich nie ans Licht kommen.