b-real Gedanken zu dem und dort Berichte aus Nepal, Spanien und zum Vatersein

6Jan/091

wirkliche Zivilcourage

Mutiges Mädchen versucht israelische Soldaten vom Schießen abzuhalten.

http://de.youtube.com/watch?v=e6xj_V_Luro

8Okt/083

doppelte Zeit

So oft habe ich im letzten Jahr gehört, die Kinderzeit vergehe wie im Fluge. Erst liegen die kleinen Hosenscheisser noch hilflos im Bettchen und schreien rücksichtslos wegen jedem Furz und bevor man sich richtig gewahr darüber wird, führt man seltsame Diskussionen mit Kreaturen, die eigentlich gerade erst das Licht der Welt erblickt haben. Naja, eigentlich nur eigentlich und in meinem Falle stimmt es auch nicht ganz, denn meine Tochter ist noch nicht sehr groß. Aber immerhin hatte die kleine Maria am 27.10.2008 ihren ersten Geburtstag.

Dieses letzte Jahr war für mich ein Ausnahmejahr.

Ihr kennt sicherlich auch das Gefühl, das letzte Jahr immer als das kürzest gelebte Jahr erlebt zu haben. Ein Monat ist für uns schon lange keine Ewigkeit mehr, so wie es noch in unserer Kindheit gewesen ist. Die letzten 12 Monate hatte ich nicht das Gefühl, die Zeit verlaufe weiterhin mit zunehmender Geschwindigkeit, sie wurde aber auch nicht langsamer. Wie gesagt, es war ein Ausnahmejahr.

Ich war das Elternteil welches zu Hause bleiben konnte und sich um seine Tochter gekümmert hat. Jeder der ein Kind hat und sich intensiv um dieses kümmert, weiß genau, dass zu Hause bleiben nicht gleich mehr Zeit bedeutet. Ich hatte im letzten Jahr nicht einmal die Chance mich zu langweilen, ich konnte mich nicht fragen, was ich mit meiner freien Zeit wohl machen soll. Ich hatte sie einfach nicht. Als sehr interessant habe ich empfunden, nicht nur meine Zeit zu nutzen, sondern gleichzeitig auch die Zeit meiner Tochter. Alles was sie gelernt und erlebt hat, brachte auch mir Freude. So verging die Zeit nicht mehr nur in meinem eigenen Kopf, sondern hat sich auch in Form meiner Tochter verkörpert. Ich lebe zur Zeit auch ihr Leben. Es ist also verständlich, dass sich viele Eltern damit schwer tun ihre Kinder in voran geschrittenem Alter los zulassen und sie ihr eigenes Leben leben zu lassen.

Naja, das ist ja bei mir noch ein wenig hin, aber schon mal ganz gut drüber nachzudenken.

Hier ein Bild von Maria an ihrem ersten Geburtstag. Im Hintergrund sieht man Whisky, er ist zwar schon alt, aber es geht ihm noch gut.

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13Jul/080

an Tagen wie diesen

Der heutige Sonntag würde auch in Deutschland als klassisch melancholischer durchgehen. Der Monsun tut wieder das was er am besten kann, er schüttet Regen aus. Stetige, dicke Tropfen, so schwer, dass sie sich nicht länger in dem tief hängenden, grauen und mächtigen Teppich Gottes halten können. Surkhet erhält eine gründliche Vollspülung.
Was machen an einem solchem Tag? Es bleibt eigentlich nur die Möglichkeit zu Hause zu bleiben, eine nette DVD auszuwählen und sie bei einem Drink und Kräutertüte zu genießen. Diese Möglichkeit gibt es wie gesagt nur eigentlich. Denn tatsächlich macht in meiner Situation der kleine Unterschied den großen Unterschied und somit mir einen Strich durch die Rechnung. Dieser nennt sich Maria. Befallen von Mund- und Windelsoor wird nun aus dem unbefangenen Junggesellen ein besorgter Vater. Aus einer verspielten Maus wird ein winziges heulendes Jammersäckchen.
Meine Suche nach einem Kinderarzt vor Ort war erschreckender weise erfolglos und so konnte mir nur inoffiziell ein Chirurg weiterhelfen. Unglaublich und ein Armutszeugnis für die Gesundheitsversorgung. Die Kleine scheint glücklicherweise wieder auf dem Weg der Besserung zu sein, obwohl das Fieber noch etwas bange macht.

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2Jul/081

bis jetzt 18 Monate Zellbildung

9 Monate drinnen, 9 Monate draußen.

Hier ein Bild von Maria nach 5 Tagen

Maria nach 5 Tagen

und eins nach 9 Monaten und 5 Tagen

Maria nach 9 Monaten und 5 Tagen

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29Jun/080

das Leben kann so ungerecht sein

Kind (ganz nervös vor Neugier): „Du Papa, wie war das eigentlich damals bei der WM 2006, ganz Deutschland im Fussballfieber, das ganze Land Fahnen schwingend getaucht in ein lang vergessenes Nationalbewusstsein, unglaublich oder ???“

Ich (etwas verlegen): „ Ehh, WM? Naja, wie soll ich sagen, da war ich in einem kleinen Bergdorf in Spanien, hab ich gar nicht so mitbekommen.“

Kind (etwas enttäuscht): „ Das gibt´s doch nicht Papa, endlich mal was los und du bist nicht dabei.“ (wieder voller Aufregung) „ Aber 2008 bei der EM. Booaaahhh ey, das war doch bestimmt super. Döneressend und Wolters trinkend den Türken und den Deutschen zujubeln, was für ein Ereignis. Und dann erst das Endspiel, Spanien-Deutschland. Das war für Mama und dich doch besonders spannend. Wie wars ?“

Ich (noch verlegener): „ Ehh, wie soll ich sagen, das hab ich alles leider auch nicht so mitbekommen...“

Kind (energisch): „Ja ja, ich weiß die EM war in der Schweiz und in Österreich, aber das Feeling vorm TV in der Bar ?“

Ich (ziemlich ruhig): „Da war ich leider in Nepal, wir hatten da kein TV und ...“

Kind (schreiend): „Waaaaas ??? Oh man, solche Ereignisse und du lungerst in irgendwelchen Löchern.“

Ich (ganz stolz): „Aber ich war dabei als in Nepal die Monarchie abgeschafft wurde, nachdem...ehh Kind, warte, wo willst du denn hin, das ist doch interessant, warte!

Mist, vielleicht hat sie als Baby doch zu nah die Fußballspiele vor der Flimmerkiste gesehen.“

Maria vor einem der letzten Spiele die wir gesehen haben. Türkei-Kroatien.

mariatv.jpg

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18Jun/080

das erste Babyfieber

Endlich wieder zurück in Surkhet. Eine Woche weg und alles ist anders. Der Monsum ist gekommen und sorgt für ordentlich Feuchtigkeit und Veränderung. Alles grünt wie verrückt. Dies ist auch die Zeit für Krankheiten. Unsere kleine Maria hat es zum ersten Mal in ihrem Leben erwischt. In Kathmandu oder Europa hätte ich mir keine Sorgen gemacht, aber hier, weit weg von allem, wurde mir doch etwas mulmig. Jetzt scheint alles wieder in Ordnung zu sein und sie ist um Antibiotika herum gekommen.

Sie zeigt wieder fröhlich die Richtung an.

maria18.jpg

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19Apr/080

Wir haben doch keine Zeit!!!

Bei Abschlussarbeiten ist es nun einmal so, dass sich mit Annäherung an das Abgabedatum die Freizeit verringert und der Stress steigt. Deswegen heute nur ein kleiner Gruß von Maria. Bald gibt es wieder etwas mehr aus Nepal.
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9Apr/082

Babybilder

Womit nervt ein stolzer Vater seine Umwelt? Natürlich, mit penetranten Babybildern. Maria ist jetzt über 6 Monate, so langsam wird es Zeit von flüssiger zu pampiger Nahrung über zu gehen. Am Anfang sind die Kleinen da noch nicht so überzeugt von...

fuettern.jpg

... jedoch merken sie schnell, dass so ein Brei auch schmecken kann. Und einen für den Papa...

fuettern1.jpg

6Apr/083

Chucky

Bin gerade dabei Maria als Chuckydarstellerin vorzubereiten, mal sehen ob sie eine Chance hat.

chucky2.jpg

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19Mrz/080

Erziehung – hart oder zart?

Gestern habe ich die zweite Szene miterlebt, die mich über Erziehung, Gewalt, Angst, Macht und deren Auswirkungen hat nachdenken lassen.

Die Erste hat vor ca. 2 Wochen stattgefunden. Auf zwei Metallringe wartend, welche ich für meine neue Hängematte anfertigen ließ, saß ich beim Schmied in heller Mittagssonne auf einem Hocker und wartete. Aus ca. 30m Entfernung sah ich eine Frau mit zwei Kindern kommen. Der kleine Junge, vermutlich 4 Jahre alt, trabte hinter ihr her. Die Tochter mag 7 gewesen sein und wurde von der Mutter mit schwingendem Stock vor sich her getrieben. Alle paar Meter schlug sie dem Mädchen mit dem Stock auf den Kopf. Die Schläge waren nicht sehr stark, jedoch ausreichend um einen Schmerz zu verursachen, welcher, besonders für ein kleines Mädchen, alles andere als angenehm gewesen sein mochte. Die Kleine heulte während der ganzen Zeit Rotz und Wasser.

Dies traurige Gespann trottete in kleinen Schritten an mir vorbei. Die drei setzten sich an einen nahe gelegenen kleinen Kiosk. Es gab natürlich viele Leute die Zeuge dieses makaberen Schauspiels waren, ich schien jedoch der Einzige zu sein, der Kenntnis davon nahm.

Als die Mutter meine Aufmerksamkeit bemerkte, schlug sie ihrer Tochter wieder auf den Kopf und schaute mich grinsend an, als wolle sie sagen: „Ist das nicht lustig!?“ oder „Schaust du mich an, weil ich sie schlage?“

Nachdem andere meine Verwirrung bemerkten, schienen auch sie sich darüber zu belustigen, dass ich Anstoß an der Erziehungsmethode genommen habe. Obwohl, ich glaube sie haben nicht einmal mein Unwohlsein diesbezüglich bemerkt und fanden die Frau einfach nur amüsant. Da ich mich jetzt in gewisser Weise involviert gefühlt habe, blieb mir nichts anderes mehr als wegzuschauen.

In der anderen Situation gestern, wollte der Nachbar seinen Sohn mit einem Schuh verprügeln. Der Kleine lief weg. Jedoch war ich sicher, dass dies nicht die erste Abreibung gewesen wäre und ganz sicher nicht die letzte. Der Vater sprudelte über vor Aggressivität und der Junge tat mir leid.

Wäre ich in Deutschland gewesen, hätte ich in beiden Fällen eingegriffen. In Nepal ist das jedoch unmöglich. Aufgrund der fremden Sprache und Kultur hätte mich höchstwahrscheinlich sowieso niemand verstanden und überhaupt, wie komme als Ausländer dazu mich in fremde Familienangelegenheiten einzumischen.

Erziehung ist ein schwieriges Thema. Auf der einen Seite wird jugendliche Disziplin- und Respektlosigkeit kritisiert, auf anderer Seite darf dies bei handlungsunfähigen Eltern nicht mit loser Hand vorgebeugt werde (ich sag das jetzt mal so plakativ und ohne weiter darauf einzugehen). Bildung, Weltoffenheit, Toleranz und besonders Liebe wäre der richtige Weg. Willkommen in Utopia.