31. Januar – Noch immer in Rajbiraj Ich glaube das kann man
Leben
nennen. Man plant etwas, und dann kommt es natürlich wieder
doch anders
als man denkt. Eigentlich müssten wir hier schon lange weg
sein, jedoch
klappt es einfach nicht. Die Evakuierung wurde innerhalb der letzten
Woche
immer um einen Tag verschoben, somit würde morgen die
nächste
geplante Abreise stattfinden. Sehr viel Stress haben wir nicht, da wir
ständig zuhause sind und somit auch nicht viel mitbekommen. Es
nervt nur
etwas, so lange auf gepackten Sachen zu sitzen. Mal schauen was
passiert. Da
wir schon lange kein Brot kaufen können, machen wir uns fast
täglich
„Roti“. Es müsste so ziemlich das
simpelste Brot sein, was man
machen kann. Einfach nur Mehl und Wasser. Es schmeckt jedoch ziemlich
gut. Auf
dem Bild sieht mein ein Rotidöner mit Hähnchen.
29. Januar – EvakuierungHier in Rajbiraj hat sich der Zustand nicht verschlechtert, aber auch noch nicht verbessert. Bis jetzt wurde nur eine Statue an der Hauptstrasse niedergerissen. Morgen werden wir evakuiert und fliegen von Biratnagar nach Katmandu. Wir kommen erst wieder zurück wenn sich die Lage hier gebessert hat. Ich denke in Katmandu wird diese Seite nicht aktualisiert werden können. Liebe Grüsse 26. Januar – Eine WocheHeute haben wir uns von einigen Nachbarn Gemüse und Obst besorgen lassen. Zudem haben wir uns hier in der Nähe Eier und ein Huhn gekauft. Es gibt das Gerücht und es besteht definitiv auch die Gefahr (denn in vielen Orten im Osten-Terais ist es schon so), dass demnächst ein curfew in Rajbiraj, also eine komplette Ausgangssperre, verhängt wird. Es ist somit besser, etwas zu Essen im Haus zu haben.
Für mich ist es noch recht schwierig zu verstehen, wie hier in Nepal alles funktioniert und somit auch, die Hintergründe dieses offen aufflammenden Konfliktes zu begreifen. Kurz zur Erläuterung: die letzten zehn Jahre herrschte in Nepal Bürgerkrieg zwischen den Maoisten und der Regierung. Anfang 2005 befand sich der Konflikt auf seinem Höhepunkt, als der König das Parlament auflöste und die totale Macht an sich riss. Als Reaktion darauf, verbündete sich die Opposition mit den Maoisten zur so genannten "8 Parteien-Allianz". Die Mobilisierung und Anteilnahme, der Bevölkerung war so stark, dass der König die Macht wieder abgeben müsste. Ende 2006 wurde offiziell der Konflikt beendet. Zurzeit ebnet sich der Weg für eine neue Verfassung: Juni 2006 wird durch Wahlen enschieden, wer an der Gestaltung dieser Verfassung teilnehmen wird. Der jetzige Konflikt ist ausgebrochen, als zwei Parteien aus dem Terai, die vorher zu den Maoisten gehörten, sich separiert und weitere Ansprüche gestellt haben. Die Spannungen in diesem "neuen" Konflikt bestehen, wie unten schon erwähnt, zwischen den Madeshis und den Pahadis. Die Bevölkerung der Madeshis, aus dem Terai, macht in Nepal einen Anteil von ca. 40% aus. Jedoch soll ihre Verteilung in der Regierung, und generell in Institutionen/Organisationen, einen verschwindend kleinen Anteil ausmachen, was natürlich ihren Unmut hervorruft. Zurzeit versuchen die Madeshis durch die Streiks (und Gewalt) verstärkt auf sich aufmerksam zu machen, um eine gerechtere Machtverteilung zu erreichen. Ereignisse aus der Vergangenheit beeinflussen jedoch stark die emotionale Stimmung, besonders der Madeshis die sich von den Pahadis in Katmandu schlecht behandelt fühlten und fühlen. Genau das ist das Gefährliche daran und kann schnell außer Kontrolle geraten. Es bietet sich sehr gut an, die Betroffenheit und das Entsetzen der Bevölkerung zur Stimmungsmache auszunutzen. So vergleichen sie z.B. die Judenvernichtung mit einer Madeshivernichtung. Es ist interessant sich diesen radikal pro-Madeshi blog einmal anzusehen um dies zu verstehen. Allerdings klingt es für meine Ohren paradox, dass sich die Madeshis bezüglich dieser Schlechterbehandlung und aus ihrer Sicht eine Herabstellung ihrer Person so aufregen, da sie innerhalb des Kastensystems genau das Gleiche mit niedrigeren "Madeshi" Kasten tun, ohne irgendein Unrechtsgefühl zu demonstrieren. Mir macht eine Klassifizierung von Gruppen Angst, bei der die physische Erscheinung so stark eine Rolle spielt (denn bei den oben genannten Gruppen ist es so), dass sie über Leben und Tod entscheiden könnte. Es erinnert mich ein wenig an den Film „Hotel Rwanda“. Wenn ich daran denke, habe ich das Gefühl, das wir Menschen noch einen langen sozialen Evolutionsprozess durchmachen müssen. 24. Januar 2007 - Tag 5 at home Es kommt manchmal anders als
man denkt. Ich
habe gehofft, dass sich der Stress in der Region hier endlich legt. Es
wurden
weitere Leute in einigen Dörfern in der Nähe
getötet. Es ist uns
zu Ohren gekommen, dass die Aggressionen der Madeshis (die
Bevölkerung aus
unserer Region - der Terai) sich jetzt nicht mehr nur
ausschließlich gegen
Pahadis (die Bevölkerung aus der Bergregion), sondern,
zumindest erstmal
rhetorisch, auch gegen internationale NRO-Mitarbeiter richten. Das
heißt
für uns, dass wir jetzt nicht einmal mehr zum Markt gehen
sollten. Jedoch
haben uns unsere Nachbarn angeboten, jemanden für uns zu
schicken. So wie
es jetzt aussieht, werden wir, sobald sich die Möglichkeit
bietet, nach
Katmandu fahren und höchstwahrscheinlich eine längere
Zeit dort
bleiben. Das Gute an der ganzen Sache ist, dass, wenn wir es
tatsächlich
nach Katmandu schaffen sollten, wir viel Zeit haben werden, um unseren
sehr
überfälligen Papierkram zu erledigen. Denn schon seit
längerer
Zeit wollen Nuria und ich heiraten. Jeder hat sicherlich schon einmal
am
eigenen Leib gespürt, dass die Reaktionsfähigkeit der
Bürokratie
nicht die schnellste ist.
23. Januar 2007 - Tag 4 nach dem Ausbruch erneuter Unruhen- Sitzen zwei Kannibalen im Dschungel und knabbern an einem Clownsbein, sagt der eine: „schmeckt irgendwie komisch.“ Es lässt sich erkennen, dass wir nach
4 Tagen
„Ausgangssperre“ schon etwas bekloppt sind, denn
auch die Situation
ist hier etwas komisch. Obwohl 30km weiter in Lahan der Zustand noch
immer sehr
chaotisch ist (mittlerweile sind mindestens drei Menschen
getötet worden),
wird hier in Rajbiraj kräftig gefeiert. Gestern, heute und
morgen feiern
die Schüler und Studenten „Sarsati“ Puja.
Es wird der
„Bildungsgott“ angebetet. Diese Stimmung hat uns
heute auch endlich
dazu bewogen, doch zum Markt zu gehen um einzukaufen. Wir wurden jedoch
stark
darauf hingewiesen uns von öffentlichen Gebäuden und
Büros
fernzuhalten, da dort das Unruhepotential erhöht ist. Wir
können hier
noch nicht abwägen, ob sich die Situation demnächst
wieder beruhigt
oder ob sie sich in der ganzen Region verbreiten und eskalieren wird.
Es geht
uns hier jedoch sehr gut und wir möchten gerne in unserem
schönen
Haus bleiben, da wir uns nicht bedroht fühlen.
21. Januar 2007Auch heute ist die Situation noch ziemlich angespannt. Es wurde uns geraten, dass Haus besser nicht zu verlassen. In Rajbiraj ist es aber noch ziemlich ruhig. Ein paar Bilder von den abgebrannten Bussen kann man sich auf diesem blog ansehen. 20. Januar 2007-Bandh im Terai Bandh bedeutet
so viel wie: Streik. Nachdem der zehnjährige
Bürgerkrieg im letzten
Jahr erstmal durch einen Waffenstillstand beendet wurde, ist es am
19.01.07
wieder zu Unruhen in Lahan, Siraha Distrikt, gekommen. Ein junger Mann
wurde
erschossen. Als Reaktion darauf wurden vom Mob 28 Reisebusse
abgebrannt, ein
unbefristeter Bandh im östlichen Terai wurde ausgerufen, sowie
eine
Ausgangssperre.
Wenn Bandh ist, dann dürfen weder Autos noch Motorraäder fahren. Die Läden sind alle geschlossen. Hier ein Bild von einem Bandhtag in Rajbiraj/ Spatari Distrikt. |
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19. Januar 2007 - neues Webdesign
Nachdem ich jetzt sehr lange Zeit am Computer verbracht habe ist es endlich so weit, meine alte Website erstrahlt in neuem Design. Mein neues Fernstudium hat noch nicht begonnen, so habe ich zurzeit noch die Möglichkeit mit all dem zu beschäftigen was ich gerne tun möchte. Dazu gehört hier in Rajbiraj z.B. die Gartenarbeit (es gibt leider noch fast keine Pflanzen), und bis jetzt die Aktualisierung dieser Seite.
Seit genau einem Monat wohne ich in Nepal, in Rajbiraj, südöstliches Teraigebiet. Wenn man vom Mount Everest direkt in den Süden geht, kommt man kurz vor der indischen Grenze an Rajbiraj vorbei. Rajbiraj ist ziemlich klein, es leben ca. 30000 Personen hier. Das ist aber schwer einzuschätzen. Der Terai ist die am dichtesten bevölkerte Zone in Nepal. Das Klima ist tropisch, denn wir leben hier im Flachland, es hat also sehr wenig mit den bergigen Himalayavorstellungen zu tun die man sich von Nepal macht. |
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