24. März - Endlich wieder zu HauseDie politische Situation hat sich seit unserer Abreise vor knapp 2 Monaten nicht deutlich verbessert. Ständig wird von irgendwelchen Gruppierungen Bandh (Streik) ausgerufen. Zur Durchsetzung der politischen Ziele wurde der Streik (Läden zu, Busse, LKW´s und Autos dürfen nicht fahren, brennende Reifen auf den Kreuzungen) ursprünglich in Nepal von den Maoisten genutzt. In der momentanen Vorbereitung der Demokratie und der politischen Parteienbildung, möchte natürlich keine Gruppierung zu kurz kommen. Also machen sich verschiedene Gruppen den Bandh nun auch zu Eigen.Wir hatten jedenfalls die Nase voll, ständig im verqualmten Kathmandu zu sein und kein eigenes Heim zu haben. Am Mittwoch hatten wir die Chance, mit dem Flieger nach Janakpur (mit Gorkha Airlines, Nuria war schweißgebadet, und mir ging es auch nicht wirklich besser, da wir noch nie in einen älteren Passagierflieger eingestiegen sind, der vom Wind, Angst erregend so hin und hergeschüttelt wurde. Also nie Gorhka Airlines) zu fliegen und von dort aus am nächsten Tag mit dem Bus nach Rajbiraj zu reisen. Und es ist wunderbar wieder zu Hause zu sein. Wie gesagt hat sich innerhalb der zwei Monate eigentlich nicht viel geändert, aber unsere Lage schätzen wir hier für definitiv nicht gefährlich ein.
Ich bin bis jetzt noch gar nicht dazu gekommen kleine Anekdoten aus dem
täglichen Leben zu berichten. Denn wie sich jeder vorstellen
kann, gibt es
viele Unterschiede ( z.B. dass man nie Mann+Frau Hand in Hand sieht,
dafür
jedoch um so mehr Männer die sich ständig die
Hände halten oder
umarmen). Eine Sache an die ich mich erst noch gewöhnen muss
(ich denke
das muss ich) ist, dass es so etwas wie Intimität, so wie wir
sie kennen,
nicht gibt. Die Nachbarn kommen aufs Grundstück und ins Haus
ohne
großartig zu warten. Da wir zurzeit recht viel Rasen haben,
bringen die
Leute ihre Ziegen vorbei und lassen sie bei uns grasen (ganz
selbstverständlich, ohne zu Fragen). Das ist für mich
schon etwas
seltsam. Wir planen jetzt erstmal wieder hier zu bleiben und ich hoffe,
wenn
ich endlich etwas Nepali spreche, dass ich mich besser
verständigen und
"integrieren" kann.
16. März - Hochzeit Nachdem ich mich mit Nuria
drei
Monate bemüht habe in den heiligen Stand der Ehe zu treten,
ist es uns nun
endlich gelungen; wir haben gestern geheiratet. Eigentlich hatte ich
nie den
Plan gehabt zu heiraten (zumindestens ab meinem 19ten Lebensjahr), aber
hier in
Nepal, ohne viel Aufsehen und nervigen Hochzeitsschnickschnack, war es
recht
erträglich. Der dreimonatige Papier- und Formularkrieg hat
sich im
Rückblick tatsächlich gelohnt und beinhaltetet sogar
einen hohen Grad
an Unterhaltung.
14. März - Kajaking und Einladung Bevor ich wieder ins flache
Rajbiraj (oder
sonst wohin) zurückkehre, habe ich mir vorgenommen einige
Aktivitäten
durchzuführen.
Es gibt in Nepal sehr viele Flüsse und besonders die etwas wilderen Flüsse interessieren mich sporttechnisch. Ich war am Wochenende nordöstlich von Katmandu Kajak fahren. Von außerhalb des Flusses betrachtet, schienen die Stromschnellen klein und ungefährlich zu sein. Nachdem ich ins Kajak eingestiegen war und in den Fluss glitt, stieß mir die unterschiedliche Perspektive ins Auge. Der Fluss schien schneller zu fließen, und das Kajak wesentlich wackeliger zu sein. Die schwierigste Übung war zu Beginn die T-Rettung. Ich drehe mich mit dem Kajak up-side-down und signalisiere durch klopfen am Kajak (ich bin dabei natürlich im Kajak unter Wasser), dass ich Hilfe brauche. Der Guide kommt mit seinem Kajak
herangeschnellt und stößt mit seiner Kajakspitze an
mein gekentertes
Bötchen (die T-Position); ich fühle mit meinen
Händen seine
Spitze und drehe mich, mit deren Hilfe, wieder in eine
sauerstoffatmende
Position. Beim ersten Mal habe ich da ganz schön Schiss
bekommen;
später habe ich mich auf diese Weise sogar in Stromschnellen
retten
lassen. Die zwei herausragenden Ereignisse auf dem Fluss waren an
diesen
Wochenende positiv und etwas negativ. Negativ war, dass ich einmal nach
dem
Kentern nicht daran gedacht habe meinen Körper an das Kajak zu
drücken und bin so natürlich mit dem Kopf/Gesicht
über die
Steine geschliddert, gab zum Glück nur eine kleine
Schürfwunde. Und
das Positive waren zwei von mir vollbrachte Eskimorollen.
Bevor ich Nepal verlasse, möchte ich hier noch Trecken und gerne auch mit dem Mountainbike durch die Berge fahren. Snowboarding ist leider fast unmöglich. Meine Freunde sind herzlich dazu eingeladen, mich dabei zu begleiten. Was mich sehr erfreuen würde, ist, Lina sprach es kurz in einer mail an, wenn ich diesen Sommer zur Geburt meines Kindes, Besuch in Spanien bekäme. Also Buzz-T, Flo, Daniel, Lina, Marcel, Harun und Andreas (natürlich auch die, die wissen, dass sie kommen können, hier jedoch nicht genannt sind, z.B. meine Familie oder Goran und jetzt doch genannt sind), ihr seid herzlich zu sommerlichen Festivitäten am Strand eingeladen. Die Geburt ist ab dem 11. September geplant. 5. März - Holi Festival im Last Resort Diesen Samstag haben die Nepali das Holi Fest
gefeiert. Es wird zum Vollmond des Monats Phalgun (Febr./März)
zelebriert.
Das war für mich ein sehr erfrischendes und spaßiges
Erlebnis.
Es werden das Ende der grauen kalten und der Beginn der warmen, feuchten und bunten Zeit gefeiert. Wie kann das besser gehen als mit Wasserbomben und Farbbeuteln. Wir haben schon vorher erfahren, dass besonders Ausländer sehr beliebte Angriffsziele sind. So fiel es mir auch nicht schwer, mich für eine kleine Reise ins Last Resort, kurz vor der tibetanischen Grenze, zu entscheiden, um dort das Holifest im zu feiern. Ein im Nachhinein wirklich genialer Entschluss. Diese Entscheidung hat mir jedoch nicht geholfen den hinterhältigen Kriegsattacken der Wasserbomben- und Farbbeutelterroristen zu entkommen. Auf der Fahrt ins Resort bin
ich mit
einigen anderen auf dem Busdach gereist, denn wir hatten wunderbares
Sommerwetter. Wir haben nicht damit gerechnet, dass nicht nur Katmandu
sondern
ganz Nepal auf Wasser- und Farbangriffe vorbereitet war. So waren wir
in jedem
Dorf welches wir durchquert haben ein perfektes Ziel. Sechs
Ausländer ohne
Schutz auf einem Busdach. Es regnete Wasser aus Eimern,
hinterhältige
Wasserbomben- anschläge und viel Farbe. Aber unsere Gegner
haben nicht mit
einer innovativen Guerilla gerechnet. Beim nächsten Stopp
haben wir uns
mit viel Wasser eingedeckt (16x 1,5 Liter) und fleißig Bomben
gebaut.
Innerhalb der Dörfer konnten wir mit unserer kleinkalibrigen
Munition zwar
leider nicht viel ausrichten, bei Angriffen auf der Landstrasse gab es
jetzt
aber schlagfertige Antworten.
Die Schlacht würde
ich eher
als verloren ansehen, denn wir sind sehr bunt und im Resort angekommen.
Hätte uns nicht ein solch wunderbare warmer Sommerwind trocken
gefönt, dann wären wir bei der Ankunft zudem
klitschnass gewesen.
Die gute Stimmung und Freude sollte nun auch das ganze Wochenende anhalten. Wir haben knapp 20€ Eintritt bezahlt und dafür den Bustransport, Zelt, Schlafsack, 4x lecker und wirklich viel Essen, Band, Party, Sauna, kleiner Pool und eine traumhafte Landschaft bekommen. Für alle die mehr wollten, gab es Rafting, Bungy, Swing und Canyoning. Ich habe mich von einer sehr hohen, dünnen Brücke geswingt und bin mit sieben Sekunden Freifall in einen Canyon gestürzt (siehe Fotos/Nepal). War gut. Wenn ihr also mal im März in Nepal seit, dann lasst auch diese Party nicht entgehen. Auch wenn ich schon länger nichts über den Konflikt in Nepal, speziell im Terai geschrieben habe, bedeutet das nicht dass dieser vorbei ist. Die Tagessschau hat heute wieder darüber berichtet. Solange es nicht ruhiger im Terai wird bleiben wir in Katmandu. 02. März - Heiraten in Nepal Noch immer bemühe
ich mich mit Nuria
in den heiligen Stand der Ehe zu treten. Denn auch wir werden langsam
erwachsen; zauderten und kämpften ständig gegen die
unangenehmen
Gefühle an, die aufgrund unserer nicht legitimierten
Lebensgemeinschaft
entstanden sind. Wir sind jetzt kurz vor dem Punkt, unsere schon lange
versäumte Matrimonation (bei so viel Ironie sind zur
rhetorischen
Unterstützung erfundene Wörter einfach passender) mit
unseren
Fingerabdrücken zu beglaubigen. Wenn es nach uns gehen
würde, dann
gingen wir zum Standesamt, Unterschrift und fertig. Zu unserer
mittlerweile
schon gelassenen Überraschung tun sich nach jedem
Büro zehn weitere
auf.
Gestern mussten wir zur Polizei, dort wurde höchstwahrscheinlich überprüft ob wir vorbestraft sind (ich habe nicht die geringste Ahnung, warum die Behörden hier das tun, was sie tun). Von dort wurden wir zu einer anderen Wache geschickt (mal wieder ohne zu wissen, warum das Ganze eigentlich). Wir waren schon in voller Freude, endlich unserem Ziel in greifbare Nähe gerückt zu sein. Aber es wäre ohne Umwege doch viel zu einfach. Nun haben die Polizeibeamten nach fünf Zeugen verlangt, die mit ihrer Unterschrift vermutlich bezeugen sollten, dass wir uns kennen oder vielleicht sogar lieben oder was weiß ich. Aber auch das haben wir geschafft und da zurzeit kein weitere Barriere in Sicht ist, werden wir so wie es scheint am 15.März heiraten. |
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