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Die Ignoranz im Kleinen

 Posted on Oktober 2, 2007      by admin
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Seit Tagen befinde ich mich nun in einer Umgebung mit einer klar festgelegten Struktur: dem Krankenhaus. Das Essen wird zu bestimmten Zeiten gebracht, regelmäßig wird geputzt und der Zustand der Patientin kontrolliert.

Es wiederholen sich mehrmals täglich Verhaltensweisen, die vielleicht unbedeutend sind, mich jedoch mittlerweile regelmäßig zur Weißglut bringen.

Ich denke, dass dieses unsensible Verhalten als Indikator für die Ignoranz einer Person im Allgemeinen dienen könnte. Das Kleine spiegelt sich im Großen. In diesem Fall ist es das Offenlassen der Tür.

Jede Krankenschwester, Hilfskrankenschwester oder Putzfrau auf dieser Station hat die schreckliche Angewohnheit in ein geschlossenes, ruhiges, von den lauten Geräuschen des betriebsamen Krankenhausflures verschontes Zimmer einzutreten und dieses immer zu verlassen, ohne die Tür wieder zu schließen. Es ist schrecklich.

Der Leser mag meinen, der ordnungsliebende Deutsche übertreibe. Man möge es sich bitte einmal bildlich vorstellen.

Die von Kopfschmerzen geplagte Patientin, müde vom Stillen, nutzt den ruhigen Moment um etwas zu entspannen. Das Baby hat sich endlich beruhigt und gleitet sanft dem Land der süßen Träume entgegen. Der gesunde Begleiter und Papa kann jetzt endlich selber die Gunst der Minute nutzen und etwas schlafen oder lesen. Die Mama und das Baby bitten um nichts. Ruhe.

In diesem Moment wird die Tür aufgerissen, das Licht wird angeschaltet. Von Babyschreien, Gesprächen und fleißigen Arbeitsgeräuschen der Außenwelt begleitet, ertönt: „das Thermometer!!!(el termómetro!!!)“ Dem Herzinfarkt nahe, wird der kleinen Familie erst gewahr was geschehen ist, nachdem das weißkittelige Monster den Raum verlassen hat. Tür sperrangelweit offen, Licht an. Na super, Baby wieder wach, Mutter schon wieder an den Kopfschmerz erinnert.

Ich muss also aufstehen, Tür zu machen und Licht aus. Jetzt ist zumindest absehbar, dass das Thermometer in fünf Minuten abgeholt wird und ich kann mich darauf einstellen, der Schwester beim rauseilen daran zu erinnern, die Tür wieder zu schließen.

Gestern habe ich beim Windelnwechseln der Hilfsschwester zugerufen, sie soll dass große Licht wieder ausmachen, Antwort: „Mach du es doch!“.

Jeden Tag erscheinen neue Schwestern, so dass es recht schwierig ist, sich auf die „normalen Schwestern“ und „die subnormalen Schwestern“ einzustellen.

Nach meinem Gefühl behandeln ca. 20% der Schwestern und Hilfsschwestern die Patienten mit dem gehörigen Respekt und der angemessenen Sensibilität. Dem Rest würde ich den Umgang mit Patienten verbieten.

Meine Beschwerde fiel leider auf unfruchtbaren Boden, es gibt zu viele Schwestern und sie wechseln zu oft.

Da gelobe ich mir doch die familiäre und ganzheitliche Krankenpflege, die ich noch vor zehn Jahren im Helmstedter Kreiskrankenhaus leisten konnte. Andere Länder, andere Sitten. Auch wenn ich vermute, dass in deutschen Krankenhäusern der Funktionalismus Einkehr gehalten hat.

Naja, wie so oft, neige ich auch in diesem Text vielleicht doch etwas zu Übertreibungen. Aber es trifft den Kern der Sache und ist übertragbar. Die Ignoranz der Individuen ( mich manchmal eingeschlossen).

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