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Mai 2007

 Posted on Mai 1, 2007      by admin
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19. Mai – Blasenentzündung
Ich kam vor zwei Tagen dazu, auch wenn ich es mir sicher nicht gewünscht habe, dass Gesundheitssystem im ländlichen Bereich etwas besser kennen zu lernen. Ich wurde dazu getrieben, zum Arzt zu gehen, da meine Körpertemperatur binnen weniger Stunden auf über 39° angestiegen ist. Und alles was ich bis jetzt eigentlich von Malaria und Dengue weiß, ist, dass man es lieber schnell behandeln sollte. Also bin ich mithilfe eines Bekannten (Frau und Schwiegermutter sind leider gerade in Kathmandu, was für einen so wehleidigen Menschen wie mich doppelt schlimm ist; Krank sein und niemanden haben der sich um einen kümmert), zum Arzt gefahren. Dort angekommen gab es eine schnelle Untersuchung, also das Standartprogramm: Puls, Blutdruck und Temperatur. Das Ergebnis wusste ich schon vorher, alles hoch.
Dann wurde mir Blut abgenommen und ich musste Pinkeln. Aber die Umstände des Wasserlassens, lassen mich sehr an der Diagnose zweifeln. Ich musste in eine Mini-Ex-Impfflasche pinkeln (von Hygiene keine Spur), auf einem Klo wie es verdreckter eigentlich nicht sein konnte. Das Ergebnis laut Arzt war, dass ich eine Blaseninfektion habe (müsste ich das nicht irgendwie spüren?), die ich mir höchstwahrscheinlich auf irgendeinem Klo (ja, auf seinem) geholt habe. Ich weiß nicht ob der Arzt Recht hatte oder nicht, jedoch ist Fieber das einzige Symptom das ich habe/hatte. Da dieses
gestern Nachmittag auf 40°angstiegen ist, tun mir auch noch meine Muskeln weh, aber dass ist auch alles. Wie dem auch sei, es geht mir heute schon viel besser und somit scheint er nicht vollkommen Unrecht gehabt zu haben.
Die Medikamente und das Fieber hatten den Nebeneffekt, ich hatte einen höchst interessanten
Traum. Es ging hierbei um eine sehr surrealistische innerbetriebliche Regelung im Krankheitsfall (unter anderem bei BMW). Ich habe nach Traumzeit einige Stunden gebraucht um das System zu durchblicken. Dann schien es mir sehr logisch und ich habe mich gewundert, dass ich es nicht schon viel früher verstanden habe. Ich wollte sogar unbedingt mit den Firmen Kontakt aufnehmen, um
mit ihnen darüber zu diskutieren. Am nächsten Tag habe ich leider nichts mehr davon verstanden, wie dass ja sehr häufig bei Träumen so ist.
Aber diese Fieberträume sind doch anders. Ich werde mich jetzt
erstmal weiter entspannen und hoffe, dass ich morgen wieder fit bin.

14. Mai – Maithili Hochzeit und noch mehr
Maithili Hochzeit

Die letzten zwei Wochen vergingen wie im Fluge. Das erste Wochenende im Mai bin
ich nach Kathmandu geflogen, um meine, ich mag es gar nicht aussprechen, um meine Schwiegermutter vom Flughafen abzuholen. Am 09. sind wir zurück nach Rajbiraj geflogen und haben direkt nach der Ankunft die Hochzeit zelebriert.
Ich habe gerade eben einige Bilder von einer spanischen Hochzeit gesehen (die der deutschen doch sehr ähnelt) und es ist interessant zu sehen, wie sich Riten weltweit unterscheiden können. Jetzt auf die diversen Einzelheiten unserer Feier einzugehen, würde definitiv den Rahmen sprengen.
Und wir haben schon extra eine kurze Variation der Zeremonie verlangt, da uns die Originalzeitspanne von 8 Stunden zu lang war. Nachdem herunterbeten der Mantras, das Werfen und Verbrennen von in Öl und Farbe getauchtem Reis und gegenseitiges Anbringen der Ticcas (die Punkte auf der Stirn, die aus Reis und Farbe bestanden) wurde die Braut von ihrer Mutter offiziell dem Bräutigam übergeben. Nach der siebenmaligen Umrundung des Bananentempels war nun der wirklich heiße Teil (wir saßen die ganze Zeit am Feuer) der Zeremonie beendet.
Anschließend gab es noch ein Interview, das teilweise, aber wenigstens mit Bild, in einer lokalen und einer nationalen Zeitung veröffentlicht wurde. Eine Frage lautete, warum denn die hindu-maithili Hochzeit länger hält als die westliche, wo sich die Paare ja alle Nase lang scheiden lassen.

Maithili Hochzeit
Die Antwort von Nuria war, dass die Frauen im Westen arbeiten und Geld verdienen dürfen und
somit unabhängig sind. Sie müssen nicht alles ertragen und können ihre Männer verlassen wenn es Ihnen zu bunt wird (frei übersetzt).
Aufgrund des Familienzusammenhaltes wären Frauen, besonders hier auf dem Land, nicht dazu in der Lage ihre Männer zu verlassen, wo sollten sie auch hin. Das Thema lasse ich jetzt aber erstmal beiseite.

Die Hochzeit, mein Studium, die Aktualisierung meiner Website und die unerträgliche Hitze sind einige Gründe warum mein Bambusprojekt nur langsam anläuft. Des Weiteren liegen die Preise einiger
Konstruktionsmittel 20x über dem, was ich kalkuliert habe.
Aber ich bin dabei.

01. Mai – Tag der Arbeit

Der erste Mai hat für mich hier in Nepal heute eher eine wörtliche als eine geschichtliche Bedeutung. Keiner hat hier frei und von ersten Mai Demos natürlich keine Spur zu sehen. Bevor ich im Sommer Vater werde und dann sicherlich noch anderes zu tun habe, gibt es noch eine Menge zu tun.
Gerade der erste Mai eignet sich für Manifestationen und
Veränderungen. Skating in Nepal

So werde ich heute zum Beispiel Bambus für die Minirampe kaufen, die ich jetzt bauen werde. Damit ich hier nicht alleine fahren muss (bzw. mein Brett nicht ständig mit anderen Jungs teilen muss, die auch gerne skaten wollen), hat sich Allyoucanskate bereit
erklärt, den örtlichen Sportclub in Rajbiraj mit 6 Skateboards zu sponsern. An dieser Stelle vorab schon mal vielen Dank. Mehr darüber kommt später. Rechts sieht man (das Bild
hat ne schlechte Qualität und ist noch ziemlich langweilig) die ersten Skateversuche eines Jugendlichen aus Rajbiraj.

Da ich ab demnächst einen neuen Server nutzen werde und einige Veränderungen auf meiner Seite vornehmen möchte (ich werde versuchen mehr in Richtung Blog zu gehen), hoffe ich, dass es nicht zu Ausfällen kommt. Wenn doch, dann wisst ihr schon mal Bescheid.

Zum Abschied noch mal eine Frage an Computerfreaks (besonders an dich Buzz-T).
Folgendes: Ich habe mit OmniHttpd einen lokalen Server eingerichtet und
möchte nun mit PHP lokal, offline arbeiten. Es klappt aber leider nicht.
Der lokale Server läuft aber irgendwie kann kein PHP angezeigt werden. Ich habe mir schon tausende Foren angesehen, auf denen das Problem besprochen wird aber ich steige nicht dahinter. Ich vermute der Fehler liegt sicherlich bei der php.ini Datei. Ich denke ich mache alles korrekt, es läuft aber trotzdem nicht. Das Problem bestätigt mir zwar, die richtige
Entscheidung getroffen zu haben, besser Sozialarbeiter anstatt Informatiker zu werden aber das kann doch nicht so schwer sein. Also, wie kann ich es schaffen, ohne große Downloads (ihr könnt euch denken, dass ich hier in Nepal keine Breitbandflat habe), offline an php und perl zu arbeiten? Hat jemand eine Idee?

Ach ja, bevor ich es vergesse. Am 09. Mai zelebriere ich mit Nuria unsere offizielle Hochzeitsfeier im regionalen Maithilistil. Ich lade hiermit schonmal alle meine Freunde und Verwandte ein, email kommt noch (ich kann gut verstehen, wenn ihr es nicht bis zum 09. nach Nepal schafft aber ich wollte die Einladung wenigstens ausgesprochen haben). Für die Hindus ist das die größte Party ihres Lebens. Es wird also ein riesen Spektakel hier bei
uns im Garten.

Und da ich gerade vom Terai spreche, gibt es noch mal einen link zur Tagesschau, mit einem Bericht über Nepal. Der Süden, von dem gesprochen wird, ist der Terai, das Gebiet wo wir wohnen. Auch wenn die Hauptstrasse und einzige Verbindung nach Kathmandu, mal wieder zu ist, ist es hier bei uns in Rajbiraj ruhig. Die im Text genannte Minderheit der Madheshis, machen ca 40% der gesamten Bevölkerung Nepals aus, sind jedoch an wichtigen Positionen stark unterrepräsentiert. Ich persönlich gehe
davon aus, dass es im Sommer nicht zu Wahlen kommen wird und dass die Unruhen,
Aufstände und Streiks zunehmen werden. Die “normale Bevölkerung”, mit der ich hier zu tun habe, hat jedenfalls die Nase voll von dem Stress. Viele leben von dem, was sie am Tag verdienen. Bandh (Streik) bedeutet, dass die Läden zu sind und keine Bus- und LKW-Transporte stattfinden. Also lebenswichtiger Verdienstausfall. Mal sehen was kommt.

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