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Wo ist der Geist unserer Gesellschaft?

 Posted on Februar 13, 2008      by admin
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Ein Indianerhäuptling fährt eines Tages mit dem Zug zu einer Vertragsverhandlung nach Washington. Am Zielort angekommen, steigt er aus und setzt sich neben die Gleise auf den Bahndamm. „Was tun Sie da?“ fragen ihn die Passanten. Und er antwortet: „Mein Körper ist jetzt zwar hier. Aber ich muss warten, bis auch mein Geist hier angekommen ist!“

Ähnliches ist wohl schon fast jedem nach dem Fliegen geschehen. Ein Jet-Lag nach langen Flügen ist nichts Anormales. Die ersten Tage ist man etwas aus der Spur und muss begreifen, welcher nun der aktuelle Standort auf dem Globus ist.

Besonders weil ich einen Laptop und eine Internetverbindung besitze, befinde ich mich gedanklich zurzeit an zwei Standorten: in Nepal und in Europa.

Die Uhr an meinem Rechner ist nach deutscher Zeit gestellt. Es ist jetzt 18:00 Uhr. In Nepal ist es genau 22:45 Uhr. In Paraguay vermutlich um die 13:00 Uhr.

Ich höre deutsches Radio. Hauptsächlich MDR Figaro. Obschon dies morgens gelegentlich etwas langweilig ist – in Deutschland ist es ja stockfinstere, nichtsgeschehende Nachtzeit. Aber gegen Mittag, wenn Deutschland beginnt sich zu strecken und mancherorts den Wecker noch einmal aus zu schalten, kommt Bewegung in die Sache. So habe ich schon einige Male, und vergesst nicht, dass ich hier 17 Busstunden von Kathmandu und viele tausend Kilometer von Deutschland entfernt lebe, die regelmäßigen Staunachrichten zwischen Braunschweig-Ost/ Königslutter oder z.B. Helmstedt / Marienborn mitbekommen. Das hört sich hier wirklich seltsam an (hier in Surkhet gibt es übrigens fast keine Autos).

Wenn dann für mich so langsam die Bettzeit näher rückt, kommen daheim die Freunde von der Arbeit nach Hause. Gelegentlich gibt es dann ein interkontinentales Gespräch und mit etwas Glück sogar ein Schachspiel.

Ganz extrem wird es, wenn ich mit meiner Familie in Paraguay kommuniziere, ca. 9 Stunden Verschiebung.

Dieser unglaubliche Fortschritt der Technik wird besonders hier in Nepal deutlich. Es laufen mir Leute über den Weg, die ihren Lebensalltag wie vor 50 oder mehr Jahren verbringen.

Jedoch darf man nicht vergessen, dass es auch hier in Nepal technologischen Fortschritt gibt. Immerhin habe ich Internet.

Und dieses nutze ich auch fleißig. Studium, Einkäufe, Gespräche, Schachspiele und Zugang zu Informationen jeglicher Art. Faszinierend.

Es lebe der Fortschritt – nur nicht zu schnell, sonst kommt unser gesellschaftlicher Geist nicht hinterher. Naja, wenn man es genau nimmt, dann warten wir ja zur Zeit tatsächlich noch, oder schon, auf unseren Geist.

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